Warum können Apotheken oft nicht liefern?

1264_artikel_images(mko) Das Bundesministerium für Gesundheit nimmt Stellung zu den Lieferengpässe in Apotheken und rechnet damit, dass es auch künftig Schwierigkeiten bei der Lieferung von Impfstoffen und anderen Arzneimitteln z.B. – Zytostatika (Krebsmittel), Antibiotika, Schilddrüsenhormone  – geben kann. „Lieferengpässe oder Lieferunfähigkeiten bei einzelnen Impfstoffen können immer wieder auftreten und sind in der Regel zeitlich begrenzt“, erklärt die parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, Ingrid Fischbach (CDU), in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion. Grundsätzlich sei die Arzneimittel versorgung in Deutschland „sehr gut“ und Lieferengpässe führten nicht zwangsläufig zu Versorgungsengpässen.

Seit Juni 2012 sei es nach Kenntnis des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) zu Lieferengpässen bei verschiedenen Arzneimitteln gekommen, so Staatssekretärin Fischbach. Die Ursachen seien: Globalisierung, Konzentration auf wenige Herstellungsstätten, Qualitätsmängel bei der Herstellung, Produktions- und Lieferverzögerungen für Rohstoffe, Produktionseinstellungen bei Arzneimitteln oder Marktrücknahmen aus verschiedenen Gründen. Allerdings seien die Lieferengpässe „häufig nicht von langer Dauer“ und müssten „nicht zwangsläufig zu Versorgungsengpässen führen“.

Zu Impfstoff-Lieferengpässen berichtet Fischbach, diese könnten immer wieder auftreten und seien in der Regel zeitlich begrenzt. Die Ursachen seien vielfältig (Probleme der Herstellung, Verunreinigung, erhöhte Nachfrage beispielsweise durch veränderte Empfehlungen). Keine Kenntnis habe die Regierung, dass Rabattverträge zu gravierenden Veränderungen der Marktstruktur bei den pharmazeutischen Herstellern geführt hätten. Eine Konzentration sei ausschließlich im Bereich der Nicht-Influenza-Impfstoffe zu erkennen – das sei allerdings bereits so gewesen, bevor Rabattverträge für Impfstoffe ermöglicht wurden. Auch lassen sich Lieferengpässe laut Fischbach nicht generell ausschließen, da die Herstellung und Kontrolle von Impfstoffen „sehr komplex“ sei. Letztlich hätten die bisherigen Lieferengpässe aber „nur zur Verzögerung von Impfungen“ geführt – „Krankheitsausbrüche aufgrund nicht erfolgter Impfung sind bisher nicht aufgetreten“.  Den Linken ist die Haltung der Bundesregierung zu lax: Immerhin streite sie nicht ab, dass es Engpässe bei der Lieferung von Medikamenten und Impfstoffen gebe, erklärt Kathrin Vogler, Sprecherin für Arzneimittelpolitik und Patientenrechte. Maßnahmen wolle sie aber nicht ergreifen. „Das ist gesundheitspolitische Geisterfahrerei!“ Das freiwillige Melderegister sei nicht ausreichend, kritisiert Vogler. Zur Situation auf dem Impfstoffsektor habe die Regierung „erschreckend wenig Erkenntnisse“ und nicht zuletzt dürfte auch ihr bekannt sein, dass die Rabattverträge mit für Lieferschwierigkeiten verantwortlich seien: „Aber auch hier schaut die Bundes­regierung weg“ – das gefährde die Sicherheit der Patienten „hochgradig“ und sei „unverantwortlich“.