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(mko) Brustkrebs (Mammakarzinom) wird heute wegen der unterschiedlichen Prognose, Behandlung und Nachsorge in verschiedene Subtypen/Formen unterteilt. 15-20 Prozent aller Brustkrebserkrankungen sind durch eine genetische Veranlagung bedingt, zirka die Hälfte hiervon durch eine Mutation in einem der High-risk-Gene BRCA 1, BRCA2 oder RAD51C. Rund zwei Drittel der Tumoren sind Hormonrezeptor-positiv (HR+), circa ein Viertel aller Patientinnen weisen eine Überaktivierung von HER2 (Rezeptor s. Hintergrund) auf. Rund 10 bis 15 Prozent der Frauen sind Triple-negativ, das heißt, von dem Tumor werden weder HER2 noch Hormonrezeptoren wie ER (Östrogenrezeptor) und PR (Progesteronrezeptor) überexprimiert (bei einer Überexprimierung der Rezeptoren wird das Signal zu häufig übertragen und es kommt zu einer beschleunigten Tumorzellteilung).

Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs, positivem Hormonrezeptorstatus und nicht lebensbedrohlicher Krankheitssituation erhalten in der Regel zunächst eine endokrine Therapie, d.h. eine Anti-Hormontherapie. Eingesetzt werden Aromatasehemmer und Estrogenrezeptor-Antagonisten. Damit soll eine Chemotherapie so lange wie möglich hinausgezögert werden. Aber: Fast 50 % der Frauen spricht auf diese endokrine Behandlung nicht an. Und: Nahezu alle Patientinnen, die auf eine endokrine Therapie positiv reagieren, entwickeln eine Resistenz gegen die Behandlung. Diese Therapieresistenz wird mit der Überaktivierung des PI3K/AKT/mTOR-Signalwegs in Verbindung gebracht. mTOR ist ein Protein in Tumorzellen, das als wichtiger Regulator für deren Zellteilung, das Wachstum von Blutgefässen und den Zellstoffwechsel fungiert.
Der von Novartis entwickelte mTor-Hemmer Everolimus ist der erste und einzige zugelassene mTor-Inhibitor mit dem Ziel, die Zelle wieder für die endokrine Therapie zu sensibilisieren, so, als ob man einen „ermüdeten Wirkmechanismus wieder aktiviert“. Everolimus wird in Kombination mit dem Aromatasehemmer Exemestan verabreicht. Studien zeigten auch den Nutzen der Everolimus-Therapie unabhängig von den vier häufigsten Mutationen (Veränderungen). ...mehr

(mko) Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs können die Zeitspanne ohne weiteres Wachstum des Tumors – das so genannte progressionsfreie Überleben -, durch die Einnahme von Afinitor®-Tabletten (Everolimus) in Kombination mit Exemestan, einer Hormontherapie, mehr als verdoppeln und das Progressionsrisiko des Tumors im Vergleich zur alleinigen Behandlung mit Exemestan senken. Die positiven Studiendaten führten jetzt zu der Zulassung durch die Europäische Kommission. Everolimus ist das erste Medikament, das in Kombination mit einer Hormontherapie bei Frauen mit ER-positivem, HER2-negativem fortgeschrittenem Brustkrebs eine signifikante Wirkung erzielt. In diesem Bereich besteht weiterhin ein kritischer, bislang ungedeckter Bedarf“, so Hervé Hoppenot, President, Novartis Oncology. „Der große Nutzen, den Everolimus bei diesen Patientinnen erbracht hat – trotz ihrer Resistenz gegenüber früheren Hormontherapien – zeigt, dass das Medikament einen bedeutenden neuen Therapieansatz darstellt.“ Everolimus gehört zu den so genannten mTOR-Inhibitoren. Es wurde 2004 als Immunsuppressivum Certican zur Vorbeugung von Abstoßungsreaktionen nach Organtransplantationen eingeführt. Zur Krebsbehandlung wurde es als Afinitor 2009 zunächst beim Nierenzellkarzinom zugelassen. Die Wirkung beruht auf der Hemmung des mTOR-Proteins, das bei vielen Tumoren übermäßig aktiv ist. Seit 2011 darf Afinitor auch bei pankreatischen neuroendokrinen Tumoren eingesetzt werden. Für das HR+ fortgeschrittene Mammakarzinom ist das erste neue Medikament seit 15 Jahren.