Schlagwort-Archive: Endoskopie

Foto: Portrait: Hagenmüller, Roesch, Faiss

(mko) Erste Schritte auf dem Weg zum Endoskopen können Ärzte, Pflegepersonal und auch Mitarbeiter von anderen Organisationen erstmals auf dem Gelände des Universitätskrankenhauses (UKE) in Hamburg erproben. Das Team des ENDO-Club Nord (Leitung Prof. Friedrich Hagenmüller, Prof. Thomas Rösch und PD Dr. Siegbert Faiss) und die Partnerfirma OLYMPOS habenauf dem UKE-Gelände ein neues Trainingszentrum geschaffen: Die ENDO CLUB Academy. Ziel ist neben der Vermittlung von fundiertem Wissen und Operationstraining für Diagnose und Behandlung auch Abläufe realitätsnah im Trainingsumfeld zu simulieren.“ Im Mittelpunkt steht ein intensives Training an den Geräten außerhalb des Klinikalltages“, sagt Dr. Harald Dremel, General Manager Gastroenterology & Respiratory Endoscopy, bei der Olympus Europa Holding. „Der direkte Austausch der Teilnehmer mit unseren Mitarbeitern hier vor Ort ist äußerst wichtig für die Weiterentwicklung unserer Produkte“.
Die Academy kann mit Kliniknetzwerken verbunden werden, um Live-Prozeduren direkt aus den Untersuchungsräumen und OP-Sälen zu übertragen. Darüber hinaus wird es auch fachübergreifende Trainings wie z.B. der Instrumentenaufbereitung geben.
Der ENDO CCLUB NORD wurde 1991 als praxisorientiertes Fortbildungsforum in Partnerschaft mit OLYMPOS für die gastroenterologische Endoskopie gegründet. ...mehr

(mko) Lautet die Diagnose für den Patienten Krebs, sei es Dickdarm-, Magen- oder Speiseröhrenkrebs müssen in der Regel zumindest Teile der betroffenen Organe operativ entfernt werden. Die Folgen für die Patienten sind einschneidend. Neue minimalinvasive Techniken, z. B. der endoskopischen Submukosa-Dissektion (ESD), erlauben jetzt, dass der Krebs in bestimmten Fällen während einer endoskopischen Untersuchung, gezielt entfernt und dabei das betroffene Organ erhalten werden kann. Das gilt als neuer großer Fortschritt erklärte der Gastroenterologe Dr. Siegbert Faiss aus Hamburg während der Tagung des ENDO-Club Nord, denn diese Methode erlaubt die vollständige und sofortige Funktionsfähigkeit des betroffenen Organs nach der Krebsentfernung, eine kurze Rekonvaleszenz- phase, Schmerzfreiheit nach dem Eingriff und sie verkürzt auch den Klinikaufenthalt.

So funktioniert die ESD
Mit der endoskopischen Submukosa-Dissektion (ESD) ist es erstmals möglich, Krebsgeschwüre aus dem Verdauungstrakt in einem Stück zu entfernen. Auf diese Weise entstehen saubere Schnitte, es kommt seltener zu Rückfällen. Idealerweise lassen sich mit der ESD frühe Krebsstadien sicher entfernen und das Risiko für die Entstehung von Tochtergeschwülsten (Metastasen) sinkt unter fünf Prozent. Für eine endgültige Risikoabschätzung im weiteren Verlauf ist aber die pathologische Untersuchung des entnommenen Gewebes maßgebend. Erst sie zeigt, ob die endoskopische Tumorentfernung ausreichend war. Bestätigt der Pathologe die mikroskopisch vollständige Abtragung des Karzinoms, gilt der Patient bei vollständigem Erhalt seines betroffenen Organs entsprechend onkologischer Kriterien als geheilt. ...mehr

Was bedeutet eigentlich N.O.T.E.S.? Die Buchstaben stehen für „Natural Orifice Transluminal Endoscopic Surgery“, erstmals erprobt in 2004 von Professor Kalloo und seinen Mitarbeitern aus dem Johns Hopskin Hospital in Baltimore/USA. Man geht hierbei mit einem flexiblen Videoendoskop durch die Magenvorderwand in die Bauchhöhle. Den Zugang verschafft man sich durch eine Punktion, die dann über einen Führungsdraht mit einem Ballon ausgedehnt wird. Im Gegensatz zu laparoskopischen Operationen entsteht bei N.O.T.E.S. keine Narbe am Bauch. Prof. Kalloo hat gezeigt, dass man auf diese Weise alle Organe im Bauchraum sehr gut inspizieren und gegebenenfalls auch Eingriffe vornehmen kann. Innerhalb von wenigen Jahren hat sich diese Idee rasant verbreitet. Nach Kalloo haben viele Endoskopiker die Methode an Schweinen getestet und um mehrere Modifikationen bereichert. Auch andere Zugangswege sind bereits ausprobiert worden: in den Bauchraum, durch die Scheide und den Darm. Nach der ersten Blinddarmentfernung meldeten Endoskopiker aus Straßburg, New York und Sao Paulo die ersten Gallenblasenentfernungen am Menschen durch die Vagina. Es scheint, dass N.O.T.E.S. keine Grenzen kennt. Die natürliche Öffnung ist nicht mehr auf den Mund begrenzt.

Um diese Entwicklungen sinnvoller und vor allem mit Verantwortung gegenüber den Patienten zu steuern, wurde in den USA ein Konsortium namens NOSCAR (Natural Orifice Surgery Consortium for Assessment and Research) gemeinsam von der Amerikanischen Gesellschaft für Gastrointestinale Endoskopie (ASGE) und der Amerikanischen Gesellschaft für Gastrointestinale Endoskopische Chirurgen (SAGES) gegründet (siehe www.noscar.org).
Ziel dieses Konsortiums ist: das Sicherheitsprofil sowie die Belastung von N.O.T.E.S. für den Patienten und schließlich Möglichkeiten der klinischen Anwendung von N.O.T.E.S zu evaluieren. Es soll zuerst geklärt werden, wie groß die Kontaminationsgefahr und wie sicher der Verschluss der künstlich erzeugten Öffnungen (Perforationen) ist.
Die bisherigen Erfahrungen zeigen, fass eine weitere Miniaturisierung und Verfeinerung der Instrumente ist notwendig ist.
N.O.T.E.S. hat zweifelsohne Bewegung in die interventionelle Endoskopie gebracht. 20 Jahre nach der Einführung der laparoskopischen Gallenblasenentfernung versucht man heute die minimal-invasive Chirurgie dadurch weiter zu verbessern und zwar im Sinne einer narbenlosen Operation. Ob es gelingen wird, ist zurzeit noch nicht abzusehen.
Welche Vorteile kann N.O.T.E.S. gegenüber der minimal-invasiven laparoskopischen Chirurgie noch bringen? Bei der Cholezystektomie beträgt der Krankenhausaufenthalt beispielsweise in den USA heute nur einen Tag und die Patienten können bereits nach 1-2 Tagen wieder ihrem Beruf nachgehen. Die Messlatte, die die laparoskopische Chirurgie in ihrer jetzigen ausgereiften Form gelegt hat, ist demnach sehr hoch.
Kurzreferat von Professor Nib Soehendra vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
anläßlich der Tagung 2007 des ENDO CLUB NORD – einem internationalen Endoskopie-Forum. endoclubnord.de

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