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(mko) Eine überaktive Blase mit ständigem Harndrang raubt vielen Betroffenen die Lebensqualität bis hin zur Depressionen, denn zu der funktionellen Störung der Blase gehören auch Inkontinenzprobleme. Da die Wirksamkeit der medikamentösen Therapie über einen längeren Zeitraum begrenzt ist und gravierende Nebenwirkungen wie z.B. Mundtrockenheit und zentralnervöse Störungen (Verwirrungszuständen) auftreten, wird seit Jahren nach alternativen Substanzen gesucht. Erstmals ergab jetzt die Einnahme von Cannabis-Extrakten eine deutliche Besserung der Inkontinenzprobleme. Der zugrunde liegende Mechanismus war jedoch nicht bekannt. Nun haben Forscher der Urologischen Klinik der LMU München in Kooperation mit einer schwedisch-amerikanischen Arbeitsgruppe erstmalig einen neuartigen synthetischen Cannabis-Stoff („Cannabinor“) bei der Behandlung getestet. „Cannabinor“ wirkt selektiv auf eine bestimmte Untergruppe von Cannabinoid-Rezeptoren, die sich auf Nervenfasern in der Schleimhaut der Harnblase befinden. Diese Rezeptoren, die bei Tieren und Mensch gefunden wurden, vermitteln sowohl Informationen von der Harnblase zum Gehirn sowie vom Gehirn zur Harnblase. Die Testergebnisse zeigten eine deutliche Verringerung in der Frequenz des Wasserlassens, es kam auch zu einer Erhöhung des Blasenvolumens nach der Behandlung. Diese positiven Ergebnisse mit synthetischen Cannabis-Stoffen werden jetzt weiter erforscht, die Wissenschaftler hoffen, hier eine neue Therapieoption für die Zukunft bei der Behandlung der überaktive Blase gefunden zu haben.