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(mko) Eltern von sehr kleinen Frühchen (Risikofrühgeburten) sollten mit den behandelnden Ärzten die Therapie bei einer Netzhauterkrankung gut abwägen und sich ausführlich informieren. Denn: Infolge einer Netzhauterkrankung (Retinopathie) erleiden bundesweit jährlich rund 500 Kinder schwere Schäden am Auge. Um die Sehkraft zu retten, nutzen Ärzte derzeit zwei Verfahren: Entweder behandeln sie die Netzhaut mittels Laser oder sie spritzen den Wirkstoff Bevacizumab (Avastin) direkt ins Auge des Kindes. Der Wirkstoff kann aber zurzeit nur außerhalb der eigentlichen Zulassung (für das beantragte Anwendungsgebiet) im so genannten Off-Label-Verfahren eingesetzt werden. Bevacizumab ist ein Antikörperpräparat, das seit einigen Jahren genutzt wird, denn es hemmt einen Wachstumsfaktor, der die Blutgefäße dazu anregt, zu wuchern. Das Medikament wird direkt ins Auge injiziert und soll die Neubildung von Blutgefäßen verhindern. „Allerdings ist Avastin weder zur Behandlung des Auges, noch für Kinder zugelassen“, sagt Professor Kampik, Direktor der Universitäts-Augenklinik. Da es zum Einsatz des Mittels bei der Frühgeborenen-Retinopathie bislang kaum Studien gibt, sind die langfristigen Nebenwirkungen dieser Therapie noch nicht abschließend geklärt. Demnach hängt die Wahl der Therapie sowohl vom Stadium der Retinopathie ab als auch von der betroffenen Zone im Auge. Das Verfahren scheint jedoch in einigen Fällen der Laserbehandlung überlegen zu sein, wie die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft, die Retinologische Gesellschaft und der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands in einer Stellungnahme betonen. Kaum Daten gibt es bislang für jenes Krankheitsstadium, in dem die Ablösung der Netzhaut schon eingesetzt hat. Bei diesen Kindern empfehlen die Fachverbände den Einsatz von Avastin nicht.

In jedem Fall, so betonen die Experten, sollte die Wahl des Verfahrens nur nach ausführlicher Aufklärung und nach Einwilligung der Eltern erfolgen. Zudem sollten Augenmediziner eng mit dem betreuenden Neonatologen zusammenarbeitebn.

Hintergrund:
Etwa jedes zehnte Baby kommt in Deutschland zu früh zur Welt. Eine Frühgeborenen-Retinopathie droht vor allem Kindern, die vor der 32. Schwangerschaftswoche geboren werden oder bei der Geburt unter 1500 Gramm wiegen. „In diesem Stadium ist die Entwicklung der Netzhaut noch nicht abgeschlossen“, erläutert DOG-Generalsekretär Professor Dr. med. Anselm Kampik aus München. Eine veränderte Konzentration von Sauerstoff in der Atemluft kann während dieser Phase das Wachstum der Blutgefäße im Auge anregen. Die Adern beginnen dann mitunter, unkontrolliert zu wuchern. Tritt aus den Gefäßen Flüssigkeit aus, droht den Kindern eine Ablösung der Netzhaut. ...mehr