Spielen im Freien schützt Kinder vor Kurzsichtigkeit

(mko) „Kinder sollten so viel wie möglich im Freien spielen.“ Helles Licht fördert die Freisetzung von Dopamin in der Netzhaut und verhindert das Längenwachstum des Augapfels. Mehrere Studien haben ergeben, dass Kinder umso seltener eine Kurzsichtigkeit entwickeln, je häufiger und länger sie sich im Freien aufhalten.

Etwa jeder dritte Bundesbürger ist kurzsichtig – Tendenz steigend. Die sogenannte Myopie nimmt weltweit zu. Dabei lässt sich der Fehlsichtigkeit womöglich relativ einfach verhindern. Vorbeugen kann man mit Viel Licht, das setzt Neurotransmitter Dopamin in der Netzhaut frei.
Bei der Kurzsichtigkeit ist in der Regel der Augapfel zu lang und damit die Entfernung der Hornhaut und Linse von der Netzhaut größer als normal. Kurzsichtige Menschen sehen weiter entfernte Gegenstände verschwommen, nahe Dinge können sie dagegen problemlos erkennen. Warum bei einigen Menschen Kurzsichtigkeit entsteht und bei anderen nicht, ist seit vielen Jahren Thema der Forschung. „Immer wieder werden Erbfaktoren genannt; Zwillingsstudien deuten darauf hin“, sagt Professor Helmut Schatz von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie in Bochum. „Dies kann aber nicht der einzige Grund sein“, so der Experte.

So wurde 1969 z.B. eine Studie veröffentlicht, in der Inuit im Norden Alaskas untersucht wurden. Bei den noch in isolierten Gemeinschaften aufgewachsenen Erwachsenen waren nur zwei von 131 kurzsichtig. Bei ihren Kindern und Enkeln mit verändertem Lebensstil waren hingegen bereits mehr als die Hälfte betroffen. „So schnell kann sich das Erbgut kaum verändert haben“, betont Professor Schatz.
Auch scheint Kurzsichtigkeit eng mit dem Ausbildungsstand verknüpft zu sein, denn zur Ausbildung gehören nicht nur der Aufenthalt in geschlossenen Räumen sondern auch ein Mehr an Studien und Lesen. Obwohl die meisten Studien einen Zusammenhang zwischen Kurzsichtigkeit und „Naharbeit“ gefunden haben, ist immer noch schwer zu fassen, was genau beim Lesen die Kurzsichtigkeit auslöst.

Eine besondere Rolle nimmt hingegen der Faktor Tageslicht ein. „Zahlreiche Studien weisen darauf hin, dass der Aufenthalt im Freien bei Kindern einer Kurzsichtigkeit entgegenwirkt – vermutlich wegen der besseren Lichtverhältnisse“, so Professor Frank Schaeffel vom Forschungsinstitut für Augenheilkunde an der Uniklinik Tübingen. Denn in Innenräumen werden meist nicht mehr als 500 Lux erreicht, an sonnigen Tagen im Freien dagegen selbst im Schatten etwa 10 000 Lux, wie der Wissenschaftsjournalist Elie Dolgin unter Berufung auf australische Forschungsergebnisse im Wissenschaftsjournal Nature schreibt. Demnach schätzt Morgan, dass Kurzsichtigkeit bei Kindern verhindert werden kann, wenn sie täglich etwa drei Stunden lang mindestens 10 000 Lux ausgesetzt sind.

Mehr:
Elie Dolgin: The myopia boom. Nature 519, 276-278, 19. März 2015, doi:10.1038/519276a Artikel

Helmut Schatz: Kurzsichtigkeit durch verminderte Dopaminbildung im Auge bei zu wenig Licht? – Kinder sollen mehr ins Freie! DGE-Blogbeitrag vom 10. April 2015. Blog-Beitrag