Schön scharf: Chilipfeffer macht schlank und schmerzfrei

(mko) Chili hilft nicht nur beim Abnehmen, es macht auch schmerzfrei. Der Grund ist das Capsaicin, ein sekundärer Pflanzenstoff, der u.a. für die Schärfe sorgt und die Nervenenden reizt, die Wärmeimpulse wahrnehmen. Wissenschaftler haben eine Wirkstoffkombination entwickelt, die gezielt den Schmerz ausschalten kann, ohne dass sich dabei ein Taubheitsgefühl und eine Bewegungseinschränkung einstellen. Die neue Substanz enthält Inhaltstoffe, die auch in Chilipfeffer vorkommen.

Die Wirkstoffkombination besteht aus einem Abkömmling des Schmerzmittels Lidocain und Capsaicin, der Brennen verursachenden Substanz aus Chilischoten. Capsaicin öffnet bestimmte Kanäle, die nur in der Membran von Nervenzellen vorkommen, die für die Wahrnehmung von Schmerz zuständig sind. Über die geöffneten Kanäle gelangt die neue Wirkstoffkomnination – QX314 – in die Nervenzellen und blockiert die Schmerzsensoren.

Um Schmerzsensoren gezielt auszuschalten, aber die Tastsensoren und Motoneurone unberührt zu lassen, setzten die Wissenschaftler das nicht aktive, positiv geladene QX314 ein. Das besondere an QX314 ist, dass es, im Gegensatz zu Lidocain, die Zellhülle von Nervenzellen aufgrund seiner Ladung ohne Hilfe nicht überwinden kann. Da Lokalanästhetika jedoch nur wirken, wenn sie sich in Nervenzellen befinden, bleibt eine QX314-Injektion allein wirkungslos.
Die Forscher koppelten deshalb QX314 an Capsaicin, um es in die Nervenzelle zu schleusen. Capsaicin bindet an ein Oberflächenprotein (TRPV1), das nur in der Hülle von Nervenzellen vorkommt, die für die Schmerzwahrnehmung zuständig sind. Capsaicin öffnet dadurch Membrankanäle, durch die QX314 in die Zelle strömen und die Schmerzsensoren blockieren kann.
Die Wissenschaftler weisen aber auf einen Nachteil der aktuellen Strategie hin. Capsaicin aktiviert die Sensoren für Schmerz und Hitze. „Wir haben versucht, dieses Problem zu lösen und kürzlich neue, schmerzfreie Wege gefunden, QX314 in Nervenzellen zu bringen. Die neue Wirkstoffkombination könnte in Zukunft zum Beispiel Zahnarztpatienten aber auch werdenden Müttern im Kreissaal helfen“, erläutert f Professor Clifford Woolf von der Harvard Medical School und Massachusetts General Hospital, Boston, USA. (Quelle: Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin)