Schmerzen: Muskeln als Schmerzverursacher kaum im Focus

(mko) Der Experte und Orthopäde Hannes Müller-Ehrenberg appelliert in Berlin auf dem Schmerzkongress (noch bis 10.10.09) an seine Kollegen, mehr auf den Muskelapparat zu schauen, wenn es um die Ursache von Schmerzen geht. „Das betrifft Schmerzen am Bewegungsapparat genauso wie Beschwerden, die als Organschmerzen empfunden werden“.
Ist der Beckenboden verspannt oder die Muskulatur beeinträchtigt, kann das die Ursache für eine Harnwegentzündung sein und selbst „Ohrenschmerzen könne man“, so Müller-Ehrenberg: „auf einen verspannten Halsmuskel zurückführen“.

Muskeln bilden bis zu 50 Prozent der menschlichen Körpermasse aus, „deren Fehlfunktionen und Schmerzpunkte, die so genannten Triggerpunkte, werden aber häufig nicht erkannt“.
Wenn bei der Diagnose von Beschwerden und Erkrankungen Muskelprobleme zumindest mit in Erwägung gezogen würden, ließen sich etliche Operationen aus vielen Fachgebieten vermeiden, sagte Müller-Ehrenberg. „Ärzte haben diese Möglichkeit aber zu selten auf dem Schirm.“

Unter dem zuerst in den USA beschriebenen Myofasziale-Schmerz-Syndrom versteht man heftige Schmerzen der Muskulatur, die keine organische sondern eine funktionelle Ursache haben. Bei der spezifischen Untersuchung der Muskulatur finden sich Triggerpunkte, die Auslöser für Missempfindungen und Schmerzen sind. Diese können lokal oder weit in andere Körperregionen ausstrahlen.
Zieht man dieses Wissen mit des myofaszialen Schmerzen mit ein, so erlaubt das nach Worten Müller-Ehrenbergs eine interdisziplinäre Betrachtung der Beschwerden des Patienten. So könne etwa bei Gesichts- oder Zahnschmerzen oder bei Beschwerden in der Brust- oder Beckenregion, bei denen keine organischen Ursachen gefunden wurden, häufig eine gezielte Triggerpunkt-Therapie helfen.
Der Münsteraner Orthopäde hat nach eigenen Angaben bereits vor zwei Jahren in einer Studie festgestellt, dass sich Schulterbeschwerden in den meisten Fällen auf Muskelprobleme zurückführen lassen – und konservativ etwa mit einer Stoßwellentherapie erfolgreich behandelbar sind. Operationen seien so oft verzichtbar.

Der Durchbruch dieser schonenden Therapien lasse in Deutschland noch auf sich warten, obwohl sie für Patienten angenehmer und für das Gesundheitssystem kostengünstiger seien, betonte Müller- Ehrenberg

Deutscher Schmerzkongress, Beginn Mittwoch (7. Oktober) in Berlin mit mehr als 2000 Experten verschiedener medizinischer Fachrichtungen. Hauptveranstalter sind die Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes und die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft.

www.mgms-ev.de
Schmerzkongress Berlin