Parkinson: Pflasteranwendung jetzt auch für fortgeschrittenes Stadium zugelassen

(mko) Bei der Therapie von Parkinson, einer chronischen Nervenerkrankung, hat sich das erst Ende 2006 eingeführte Anti-Parkinson-Pflaster ( Erstzulassung für Frühstadium), das über 24 Stunden durch die Haut gleichmäßig den Wirkstoff Rotigotin abgibt, auch im fortgeschrittenem Stadium bewährt, neu ist der zweite Wirkstoff L-Dopa. Damit ist das Pflaster jetzt für alle Stadien der Erkrankung zugelassen und verbessert die Lebensqualität der Patienten, da Wirkungsschwankungen unterbunden werden. Das bedeutet: die Morgensteifigkeit und eventuelle Schlafstörungen lassen nach, ebenso Schluckbeschwerden oder Magenunverträglichkeit. Der Wirkstoff ahmt die Wirkung von Dopamin nach, da die Nervenzellen den Botenstoff nicht mehr produ-zieren, der für die Koodinierung der Bewegungen zuständig ist. Die Folge: Parkinson-Erkrankte können ihre Motorik nicht mehr zuverlässig kontrollieren. Der Vorteil: das Pflaster gibt kontinuierlich über 24 Stunden die Wirkstoffe (Rotigotin und Levodopa – L-Dopa – ) in das Blut ab und es muss nur einmal am Tag aufgeklebt werden. Die Anwendung ist auch unabhängig von der Nahrungsaufnahme und sie ist einfacher zu koordinieren, als eine mehrmals tägliche Tabletteneinnahme. Die Patienten im fortgeschrittenen Stadium profitieren besonders nachts, denn mit dem Pflaster können sie sich beim Schlafen wieder besser umdrehen und morgens einfacher aufstehen. Das Pflaster für das Parkinson-Frühstadium enthält kein zusätzliches L-Dopa.
Beim Aufkleben sollte beachtet werden, dass das Pflaster mindestens 30 Sekunden mit der Handfläche auf die vorgesehen Körperstelle angedrückt wird, dann kann damit sogar geduscht oder gebadet werden. Bei behaarten Körperstellen wird empfohlen, diese drei Tage vor Anwendung des Pflasters zu rasieren. Informationsplattform mit einem Fragebogen (Checkliste) zur Parkinson Früherkennung unter:
und Informationsplattform
Früherkennung

Interviewmit Professor Dr. Andres Ceballo-Baumann, Chefarzt der Neurologie im Neuroloigischen Krankenhaus in München, Zentrum f. Parkinson und Bewegungsstörungen

Viele Patienten leben einige Jahre mit der Krankheit, ohne dass eine Diagnose gestellt wird. Wie kann man Ihrer Meinung nach die Früherkennung auch für Laien verbessern?

„Leider ist es nicht nur so, dass die Diagnose einfach nicht gestellt wird, sondern dass die Symptome der Patienten oft fehlgedeutet wer-den und eine falsche, mitunter sogar risikoreiche Fehlbehandlung nach sich ziehen. z.B. werden einer Erhebung zufolge 10% der Parkinson-Patienten zunächst wegen einseitiger Schmerzen in der Schulterregion manchmal mit eingreifenden orthopädischen und rheumatologischen Therapiemethoden falsch behandelt, bevor die Diagnose Parkinson gestellt wird.
Häufig wird in der Öffentlichkeit Zittern mit Parkinson gleichgesetzt. Nur 50% der Patienten erleben den Beginn der Krankheit jedoch mit einem Zittern. Zudem ist nur das Zittern bei entspannten Händen „in Ruhe“ typisch für einen Parkinson. Viel wichtiger als das Zittern – der Tremor – ist die Bewegungsverarmung – die Hypokinese und Akine-se – und die Bewegungsverlangsamung – Bradykinese –, die sich z.B. mit einem reduzierten Mit-schwingen des Armes beim Gehen oder einem Verlust an Gestik und Mimik – dem Pokergesicht – äußert. Auch beobachtet man bei den Patienten oft eine Kleinschrittigkeit und eine immer kleinere Handschrift.“

Welche Möglichkeiten der Therapieoptimierung sehen Sie?

„Insgesamt muss man sagen, dass es viele Möglichkeiten der Therapieoptimierung gibt. Die Behandlungsmöglichkeiten der Parkinson-Syndrome werden aber von Jahr zu Jahr zunehmend komplexer. Die Aufgabe und Kunst der Parkinsonologen ist es, für jeden Patienten eine individualisierte, „maßgeschneiderte“ Therapie zu entwerfen, mit nicht-medikamentösen Inhalten wie Physio- und Stimmtherapie im Zusammenspiel mit einem fein abgestimmten Medikamentenplan als Grundpfeiler. Hier muss im Rahmen der medikamentösen Therapie das Parkinson-Pflaster als Durchbruch gefeiert werden, da man erstmalig mit einer sehr ein-fach zu handhabenden Applikationsform – dem Pflaster – dem Körper kontinuierlich eine Dopa-min-Ersatztherapie zugeführt wer-den kann. Bisher war dieses nur mit invasiven Methoden, wie z.B. Pumpensystemen möglich. Diese besonders aufwändigen Therapie-formen, zu denen auch die Tiefen-hirnstimulation zählt, können im Verlauf gegebenenfalls angezeigt sein. Immer wieder muss die Behandlung dem individuellen Krankheitsverlauf und den subjektiven Bedürfnissen des einzelnen Patienten angepasst werden. Nicht selten stellt sich heraus, dass bei Medikamenten „weniger mehr ist“. Denn wenn nicht richtig indiziert wird, können sich besonders bei älteren Patienten gerade „Cocktails“ von Parkinson-Medikamenten negativ auswirken.
Neben der medikamentösen Therapie sind die so genannten beübenden oder trainierenden Verfahren hervorzuheben, die zunehmend wissenschaftlich validiert sind. Sie sind für Symptome in der Spätphase wie Stimm-, Sprech- und Schluckstörungen und Standunsicherheit und Stürze, die auf Medikamente und auch auf die Tiefenhirnstimulation nicht ansprechen, essenziell.“