Neuer Bluttest erkennt Darmkrebs

Ein guter Krebstest sollte möglichst immer dann Alarm schlagen, wenn tatsächlich ein Tumor vorliegt – ansonsten aber nicht. Privatdozentin Dr. Gisela Walgenbach-Brünagel von der Bonner Uniklinik sowie Kollegen von der US-amerikanischen John-Hopkins-Universität haben einen neuen Bluttest erforscht, um Tumoren des Dick- und Enddarms schon im Frühstadium nachweisen zu können. Der Test schlägt Alarm, wenn ein bestimmtes Protein im Blut der Patienten gehäuft vorkommt. Allerdings kann dieser Wert in seltenen Fällen auch bei Gesunden erhöht sein. Die Mediziner hoffen, durch gleichzeitige Auswertung weiterer Marker sowohl die Empfindlichkeit als auch die Zuverlässigkeit des Tests steigern zu können. Ziel ist eine einfache und kostengünstige Screening-Methode, die sich in Vorsorge-Untersuchungen flächendeckend einsetzen lässt. Darmkrebs ist weltweit die dritthäufigste Tumorerkrankung. Allein in Deutschland fordert die Krankheit Jahr für Jahr 30.000 Opfer. Die Hälfte von ihnen ließe sich nach Schätzungen durch eine rechtzeitige Diagnose retten.

Der diagnostische Goldstandard ist und bleibt jedoch die Darmspiegelung. Bei dieser auch Koloskopie genannten Methode wird ein schlauchförmiges Endoskop durch den After in den Körper geschoben. An seinem Ende sitzt eine Kamera, durch die der Arzt die Darmwand inspizieren kann. Im Verdachtsfall kann er zudem über einen Greifer direkt Gewebeproben entnehmen. Einem geschulten Arzt entgeht so kaum ein Tumor; die Zahl der Fehldiagnosen ist zudem extrem gering. Aber viel zu wenige Menschen nehmen diese Untersuhcung
Wahr. Die Hemmschwelle vor einer Spiegelung, die mit gewissen Unannehmlichkeiten verbunden ist, ist einfach zu groß. Nun soll bald ein kleiner Pieks die Zahl der Opfer senken

Allein in Deutschland fordert Darmkrebs jährlich 30.000 Opfer. Bis zu 50 Prozent aller Patienten ließen sich nach Schätzungen bei rechtzeitiger Diagnose retten. Ein Test, der mit einem kleinen Pieks erledigt wäre, würde dabei sicher helfen. „Unser Ziel ist es, ein einfaches, zuverlässiges und kostengünstiges Verfahren für Massenscreenings zu entwickeln“, erklärt Dr. Walgenbach-Brünagel. „Im Verdachtsfall würde sich dann eine Spiegelung anschließen.“ Bis es soweit ist, muss die Wissenschaftlerin noch viel Arbeit leisten. In einem ersten Schritt will sie zusammen mit ihren US-Kollegen von derJohn-Hopkins-Universität in Baltimore/USA Empfindlichkeit und Zuverlässigkeit des Tests erhöhen. Momentan richtet sich dieser gegen ein Protein, das im Blut von Darmkrebs-Patienten gehäuft vorkommt: Das so genannte Dickdarmkrebs-spezifische Antigen (colon cancer-specific antigen, CCSA-2). „CCSA-2 scheint im Kern von Dickdarmzellen die Genaktivität zu regulieren – auf welche Weise, wissen wir nicht.“ So Dr. Gisela Walgenbach-Brünagel. Sie sieht jedoch gute Chancen, dass ihre Forschungsergebnisse in einigen Jahren auch in die Klinik Einzug halten.