Netze beheben Beckenbodensenkungen und Inkontinenz

Foto: Johnson&Johnson

Beckenbodensenkungen, das Absacken von Organen wie Gebärmutter, Enddarm und Scheide, sind eine der häufigsten Frauenleiden überhaupt. Sie gehen oft mit Inkontinenz einher und schränken die Lebensqualität der Patientinnen erheblich ein.
(mko) Etwa jede zehnte Frau muss sich in ihrem Leben einem Eingriff unterziehen. Früher kam es bei dieser Therapie zu hohen Rückfallraten oder bedurfte stark invasiver Operationen per Bauchschnitt. Dank der neuen Mesh-Technologie (engl. mesh = Netzt) können Senkungen heute minimal-invasiv behandelt werden (Netztherapie). Die sogenannten Prolift-Netze geben den Organen wieder halt und zwar genau dort, wo sie hingehören. Das Verfahren zeichnet sich durch hohe Heilungsraten aus und ist für die Patientinnen schonend. Die meisten Frauen werden wenige Tage nach dem Eingriff aus dem Krankenhaus entlassen und können sobald wieder den Aktivitäten des Alltags nachgehen und sich voll belasten. Ein weiterer großer Vorteil: Das Sexualleben der Patientinnen wird wieder hergestellt und ist nach der OP problemlos möglich, da die Verfahren mit keinen Einengungen der Scheide und des Dammes verbunden sind.

Kleines Band, große Wirkung, das gilt auch in der Therapie der Belastungsinkontinenz. Dabei handelt es sich um den unwillkürlichen Urinverlust bei körperlichen Belastungen oder auch nur beim Lachen, Niesen oder Husten. Für Frauen ist das immer sehr belastend. In ihrem Lebensverlauf leiden 80 Prozent der Frauen unter dem unwillkürlichem Verlust von Urin. Auch junge Frauen sind betroffen.

Durch den Einsatz eines Tension-free-Vaginal-Tape (TVT) wird die Harnröhre quasi wieder angehoben und durch ein Netz dauerhaft stabilisiert. Der Eingriff kann unter örtlicher Betäubung vorgenommen werden und dauert knapp 20 Minuten. Für 97 Prozent aller Patientinnen ist unkontrollierter Harnverlust danach ein Thema der Vergangenheit, auch bei stärkeren Belastungen und beim Sport.

Netze werden aber auch bei Leisten- und Narbenbrüchen eingesetzt, in der Fachsprache nennt man das Hernien, gemeint sind Gewebebrüche, die allein 250 000 Eingriffe in Deutschland erfordern.
Zu 90 Prozent sind Männer betroffen, meist beim Sport und körperlicher Arbeit oder in Folge abrupter Bewegungen. Dann tritt ein Teil des Bauchfells und oft auch des Darms aus der Bauchhöhle. Von außen zeigt sich dies an einer oft nur kleinen Ausbeulung. Das kann sehr schmerzhaft sein. Manche Patienten wiederum verspüren kaum Schmerzen. Behandelt werden muss ein Leistenbruch in jedem Fall und meist muss eine Operation erfolgen.
Vormals wurden Hernien mit einer einfachen Naht verschlossen. Die Folge: Es kam häufig zu einem erneuten Bruch. Auch leiden viele Patienten noch lange nach der Operation unter einem unangenehmen Spannungsgefühl an der Narbe. Anders bei den Netzen. Mit einem Mesh wird nicht nur die Bruchstelle effektiv verschlossen, das Biomaterial stabilisiert vor allem. Es übernimmt die Aufgabe des natürlichen Gewebes. Zudem sind die Patienten nach dem Eingriff meist frei von Spannungsgefühlen oder Schmerzen.

Mit dem neuen Worldwide Mesh Technology Center, einem Kompetenzzentrum in Norderstedt bei Hamburg ,das in diesem Monat von dem Pharma-Untenehmen Johnson & Johnsoneröffnet wurde, intensiviert das Unternehmen seine Forschungs- und Entwicklungstätigkeit und bündelt wichtiges Knowhow für Neuentwicklungen in Deutschland. Am Standort werden in Zukunft über 500.000 High-Tech-Netze pro Jahr produziert. Hier wurden Netze entwickelt, die die Therapie von Beckenbodendefekten sowie Leisten- und Bauchwandbrüchen revolutioniert haben. Die in der Fachsprache als Mesh bezeichneten Netze sind hoch komplexe Materialien, die vielfältigen Anforderungen standhalten müssen.