Knieschmerzen: Spritzen und Spiegelungen oft wirkungslos

(mko) Unsere Knie  verschleißen mit den Jahren, sind nicht mehr belastbar und beweglich, häufig treten dazu Schmerzen auf. Mediziner sprechen von einer fortgeschrittenen Arthrose und empfehlen häufig ein künstliches Kniegelenk. In jüngster Zeit stieg die Zahl dieser Operationen rasant  auf mehr als 150.000 jährlich an. Aber: In Kreisen mit mehr Geld und besserer Bildung bekommen Patienten dreimal so häufig ein neues Kniegelenk wie in sozial schwächeren Gegenden.

Auch Spritzen und Spiegelungen bei Kniearthrose sind häufig wirkungslos. Dies belegen Studiendaten des Max-Planck-Institut in Berlin. Das Fazit: Gelenkspiegelungen, Hyaluron- und Kortikoid-Injektionen zeigen nur einen sehr begrenzten Nutzen. Risiken, die mit den Eingriffen verbunden sind, sind dagegen oft unzureichend erforscht und Patienten werden selten darüber aufgeklärt. Arthrose ist die weltweit am meisten verbreitete Gelenkerkrankung. Patienten versprechen sich von der Therapie, dass sie den oft schmerzhaften und beeinträchtigenden Verlauf positiv beeinflusst. „Spritzen und Spiegelungen sind auf längere Sicht häufig wirkungslos. Ihr Nutzen wird allzu oft überschätzt und die verbundenen Risiken, wie etwa Entzündungen oder Schwellungen ausgeblendet“, so Gigerenzer.

Nach Einschätzung des Harding Zentrums sind insbesondere Hyaluron-Injektionen kritisch zu bewerten. Die Behandlung führe zwar gelegentlich zu geringfügigen Schmerzlinderungen und mehr Beweglichkeit. Allerdings seien die Besserungen nach wenigen Monaten oft nicht mehr nachweisbar. Kortikoid-Injektionen stellen auch keine Alternative dar: Sie können Schmerzen nur kurzfristig lindern. Beide Behandlungen müssen von den Patienten in der Regel selbst bezahlt werden. Die gesetzlichen Krankenkassen erstatten die Kosten nicht. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass die Wirkung bereits nach vier Wochen verpufft. Darüber hinaus rufen Injektionen nicht selten Nebenwirkungen wie gerötete Haut, Schwellungen und auch Gelenkentzündungen hervor. Wer auf eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie) setzt, ist laut Studienergebnis nicht besser beraten: Viele Patienten können nach der Operation im Vergleich zu Nicht-Operierten weder besser gehen, noch haben ihre Schmerzen nachgelassen.

„Patient und Arzt sollten zunächst alle konservativen Maßnahmen ausschöpfen. Dazu zählen Gewichtsreduktion, gelenkschonende Aktivitäten, Physio-, Ergo- und physikalische Therapie. Sie erfordern zwar mehr Eigenverantwortung. Doch richtig eingesetzt, helfen sie oft nachhaltiger“, so  Experten im Auftrag der Bertelsmann Stiftung.

Informationen  Knie-Operationen

https://knieoperation.faktencheck-gesundheit.de/
Betroffene können sich ab heute auf der Website „Faktencheck Knieoperation“ konkrete Entscheidungshilfen für einzelne Therapiemaßnahmen ansehen. Die so genannten Faktenboxen geben den aktuellen Stand der Wissenschaft über den Nutzen und die Risiken einer Therapie wieder – und zeigen auch dünne Faktenlagen schonungslos auf. Der Arzt und Comedian Eckart von Hirschhausen erläutert zudem in zwei Videos, worauf sie bei Knieoperationen und der Behandlung von Arthrose achten sollten.

Hintergrund:
Hyaluron-Injektionen
Bei einer Symptom – und Schmerzbehandlung bei Kniearthrose wird Hyaluronsäure direkt in das betroffene Gelenk gespritzt. Hyaluronsäure ist normalerweise von Natur aus in der Gelenkflüssigkeit vorhanden. Menschen mit Arthrose haben eine niedrigere Konzentration von Hyaluronsäure in ihrem Gelenk als Menschen ohne Arthrose.

Kortikoid-Injektionen
Bei einer Kortikoid-Injektion werden entzündungshemmende Substanzen, so genannte Steroide, direkt in das betroffene Gelenk gespritzt.