Intelligente und zielgerichtete Krebs-Medikamente verlängern Überlebenszeit

(mko) Die moderne Krebstherapie konzentriert sich heute auf gezielte und intelligente Krebsmedikamente. Im Vordergrund stehen dabei Verträglichkeit und Sicherheit dieser Mittel sowie die Verbesserung der Lebensqualität und Steigerung der Überlebenszeit. Man weiß heute z. B. dass Mutationen an bestimmten Genen und Störungen bei der Informationsübertragung von Zelle zu Zelle dafür sorgen, dass sich normale Zellen zu bösartigen Tumorzellen entwickeln.
Tumorzellen wachsen außerdem mithilfe von Wachstumsfaktoren und deren Andockstellen, den so genannten Rezeptoren an der Tumorzelle. Auch an diese Mechanismen setzen die moderne Wirkstoffe an.
Dabei wurde inzwischen unterschiedliche Möglichkeiten und Therapieansätze verfolgt:

• Wirkstoffe, die eine Neubildung der Blutgefäße (Angiogenese) hemmen, damit die Tumorzelle nicht mehr mit Nähr- und Sauerstoff versorgt wird, also „verhungert“.
• Wirkstoffe, die das Tumorwachstum hemmen, da sie die Andockstellen (Rezeptoren) der Wachstumsfaktoren blockieren.
• Wirkstoffe, die Signalübertragungen zwischen den Tumorzellen blockieren.

So konnte z.B. das Überleben von Patienten mit einem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs im fortgeschrittenen Stadium heute bereits verlängert werden. Entscheidend dazu beigetragen haben u.a. die so genannten VEGF-Hemmer wie z.B. Erlotinib (Tarceva®) und der Antikörper und Angiogenesehemmer Bevacizumab (Avastin®). Das zeigen neueste Daten, die aktuell in Berlin vorgestellt wurden.

„Früher überlebten Patienten mit fortgeschrittenem Lungenkrebs nur acht bis zehn Monate, mit dem Einsatz der neuen zielgerichteten Medikamente sehen wir heute dagegen immer häufiger Patienten, die zwölf und mehr Monate überleben. So Dr. Christian Schumann von der Universitätsklinik in Ulm.
Der VEGF-Hemmer Bevacizumab, (VEGF = Vascular Endothelial Growth Factor) wird heute im klinischen Alltag meist als fester Bestandteil zu einer Chemotherapie in der First-Line-Therapie bei fortgeschrittenem nicht- kleinzelligen Lungenkrebs verabreicht.
Bei Patienten mit einem Adenokarznom, das ist der häufigste Subtyp dieser Lungenkrebserkrankung, wurde bisher unter der Behandlung mit Bevacizumab das längste Überleben von mehr als 14 Monaten beobachtet.
Der Angiogenesehemmer und Antikörper Bevacizumab hat sich vergleichbar auch bei jüngeren und älteren Patiten (älter als 65 Jahre) bewährt.

Die aktuellen Studiendaten belegen auch eine positive Wirkung unabhängig von der gewählten Chemotherapie, das gilt auch für Patienten mit einem schlechten Allgemeinzustand oder kardiovaskulären Begleiterkrankungen. Selbst bei Patienten mit Hirnmetastasen belegen die Studiendaten eine gute Verträglichkeit und Sicherheit. (Hier sollte jedoch das individuelle Risikoprofil in Absprache Artz/Patient erwogen werden).

Erlotinib wird dort eingesetzt, wo Krebszellen bestimmte Andockstellen (Rezeptoren) auf der Zellobefläche aufweisen und Chemotherapie keine Wirkung erzielt hat oder, wenn Patienten aufgrund ihres Alters oder bestimmter Begleiterkrankungen nicht mit einer solchen Therapie behandelt werden können.

Diese typischen Eigenschaften der Rezeptoren sind für die Krebstherapie das entscheidende Kriterium, um dann zielgerichtet diese Andockstellen anzugreifen.
Erlotinib wirkt spezifisch auf den so genannten „epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor“ EGFR (engl. Epidermal Growth Factor Receptor), der bei dem nicht kleinzelligen Lungenkrebs häufiger vorkommt und/oder fehlreguliert ist. Der EGFR sendet Wachstumssignale in den Kern der Krebszelle, wodurch sich die Zelle teilt und der Tumor verstärkt wächst. Erlotinib dringt in die Krebszelle ein und besetzt zielgerichtet den EGFR. Die Weiterleitung von Wachstumssignalen wird so gestoppt. Die Krebszellen hören auf, sich zu teilen, und das Wachstum des Tumors wird unterbrochen.

Bei der zielgerichteten Therapie mit Erlotinib verbessert sich die Lebensqualität der Patienten, das Wachstum der Krebserkrankung verringert sich deutlich. Die Studiendaten haben gezeigt, dass die Erlotinib –Therapie die Überlebensrate um 43 % steigern kann, verglichen mit Patienten, die ein Scheinmedikament erhielten. Als Nebenwirkung tritt oft während der Therapie ein Hautausschlag auf, „Rash“ genannt, der einer ausgeprägten Akne ähnelt. Das Auftreten von „Rash“ wirkt sich allerdings
nicht negativ auf die Verträglichkeit aus, wie eine Analyse der Langzeitverläufe bestätigt.

( s. dazu unsere Meldung: „Jahrestagung in den USA zeigt Fortschritte in der Krebstherapie“)