Infektiöse Darmerkrankung: völlig neuer Therapieansatz ohne Antibiotika

Wissenschaftler der Johannes Gutenberg-Universität Mainz haben zusammen mit Kollegen aus Gießen, Maribor und der Mainzer Firma Proteosys ein weiteres Rätsel um eine bakterielle Darmerkrankung entschlüsselt, von der jeder, insbesondere nach Antibiotikaeinnahme,
betroffen sein kann. Die Forschungsergebnisse der Arbeitsgruppen von Prof. Dr. Christoph von Eichel-Streiber vom Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene und Univ.-Prof. Dr. Hansjörg Schild, Leiter des Instituts für Immunologie, eröffnen den Zugang zu einer vollkommen neuen Form der Behandlung dieser infektiösen Darmerkrankungen ohne den Einsatz von Antibiotika. Das Wissenschafts Journal „Nature“ publiziert in seiner aktuellen Ausgabe die Ergebnisse.
„Clostridium difficile“ ist ein Darmbakterium, das im Darm Giftstoffe freisetzt, die anfänglich Durchfälle und im weiteren Verlauf schwerwiegende Dickdarmentzündungen insbesondere in
Zusammenhang mit Antibiotika-Einnahme hervorruft. Erst Ende der 70er Jahre identifiziert, wird seit den 90erJahren „Clostridium difficile“ als der bedeutendste Krankenhauskeim der entwickelten Länder angesehen. Als Konsequenz des sich ausweitenden Einsatzes von Breitbandantibiotika steigt die Zahl von Infektionen, die auf diesen Keim zurückgehen, vor allem bei stationär behandelten
Patienten weiter stetig an. Aus einer 2002 veröffentlichten Studie geht hervor, dass über 17 Prozent aller Patienten, die für mehr als zwei Tage stationär im Krankenhaus behandelt wurden und eine
Antibiotikatherapie bekamen, Durchfälle entwickelten, die mit „Clostridium difficile“ in Verbindung gebracht wurden. Dieser Keim ist demnach die Ursache für ca. 20 Prozent aller Antibiotika-assoziierten Durchfälle, 75 Prozent aller Antibiotikaassoziierten Dickdarmentzündungen und 100 Prozent aller Pseudomembranösen Colitis Fälle (spezifische Form der Dickdarmentzündung). In Canada und den USA treten seit 2005 gehäuft Varianten des Erregers auf, die als deutlich gefährlicher als die bisherige isolierten Bakterien eingeschätzt werden.

„Bis zuletzt war nun unklar, wie die von Bakterien im Darm freigesetzten Toxine aktiviert werden, um ihre zellschädigende Wirkung zu entfalten“, so Prof. Dr. Christoph von Eichel-Streiber, „die
Aufgabe bestand darin, den Weg der Toxine, insbesondere deren giftiger
Bruchstücke, in die Zelle hinein aufzuklären“. Diese neuen Daten eröffnen nun die Chance auf einen innovativen Therapieansatz: „Jetzt kann erstmals eine Behandlung von Clostridium difficile Erkrankungen entwickelt werden — ganz ohne Antibiotika einzusetzen“, erklärt Professor Schild.