Gute Heilungschancen bei Hepatitis C

(mko) Zwei neue Wirkstoffe können in der Behandlung von Hepatitis C den Durchbruch bedeuten: „Boceprevir und Telaprevir in Kombination mit Interferon und Ribavirin erreichen eine Heilungsrate von bis zu 80 Prozent“, sagt Professor Michael Manns, Vorsitzender der Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM). Neu an den beiden Substanzen ist, dass sie direkt gegen das Hepatitis C-Virus wirken, indem sie ein bestimmtes Enzym des Virus blockieren und damit seine Vermehrung stoppen. Zwei Medikamente der nächsten Generation, Semiprevir und Sofosbuvir, wurden gerade in den USA zugelassen,eine Zulassung in Europa wird folgen.
Die Behandlung von Hepatitis C erforderte bisher sehr viel Geduld: Die Patienten mussten über bis zu eineinhalb Jahre lang zweimal täglich Tabletten mit dem Wirkstoff Ribavirin einnehmen und wöchentlich das Hormon Interferon spritzen. Interferon stärkt die körpereigene Virusabwehr. „Doch vor allem seine Nebenwirkungen machen die Behandlung für die Patienten beschwerlich, und eine Erfolgsgarantie gab es nicht.
Mit einer größeren Anzahl von Wirkstoffen steigen auch die Chancen, schwierige Hepatitis-Infektionen erfolgreich zu behandeln. Anspruchsvoll ist vor allem die Therapie bei bestimmten Typen des Virus und bei Patienten mit bereits deutlich geschädigter Leber, vor allem im Stadium der Leberzirrhose. Nach Auskunft von Professor Manns sind in Deutschland nachweislich eine halbe Millionen Menschen mit dem Hepatitis-C-Virus infiziert. Ohne Behandlung kann die Krankheit zu einer Entzündung der Leber führen, die in einigen Fällen eine Transplantation nötig macht.
Ein großes Problem sei aber, so der Experte, alle Menschen zu finden, die mit dem Virus infiziert sind, die dann von einer Therapie profitieren: „Denn eine Erkrankung wie Hepatitis C kann Jahrzehnte lang beschwerdefrei bleiben.“ Tritt sie aber zutage, sei es für eine Heilung oft zu spät. „Hepatitis C ist in Deutschland die häufigste Ursache für eine Lebertransplantation,  eine frühzeitige Behandlung könnte die Warteliste jedoch deutlich entlasten.“

Hintergrund:
Prof. Michael P. Manns ist Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie der Medizinischen Hochschule Hannover/MHH.