Gewebe-Analytik zeigt Angriffspunkte für gezielte Krebs-Medikation

(mko) Eine individuelle Krebstherapie ist nichts neues, aber auch kein Selbstgänger, sagt Professor Hartmut Juhl von Indivumed, einer Firma, die der Wissenschaftler gemeinsam mit Medizinern des Israelitischen Krankenhauses in Hamburg gegründet hat und die heute bundesweit und in den USA tätig ist.
Ausgangs-Basis dafür war, dass nur durch eine hochstandardisierte Tumorgewebebank und eine umfassende klinische Datenerhebung, individuelle Unterschiede und krebsspezifische Veränderungen des Individuums aufgedeckt werden können. Denn: Kein Tumor lässt sich mit einem anderen vergleichen und viele hochspezifische Krebsmedikamente wirken bei einem Patienten gar nicht und bei einem anderen dennoch.
Man geht heute davon aus, dass mehr als hundert DNA-Schädigungen, von denen bisher nur wenige bekannt sind, zu einer komplexen Störung des Zellstoffwechsels führen. Das Team um Professor Hartmut Juhl hat ein Verfahren entwickelt, bei dem für jeden Krebspatienten ein für ihn am ehesten wirksames Medikament gefunden werden kann.
Nach der von dem Tochterunternehmen „Indivutest“ durchgeführten Gewebeprobe-Entnahme und einer Blutprobe, muss für die exakte Analyse, das Gewebe sofort nach Entnahme eingefroren werden. Studien haben gezeigt, dass die biologischen Vorgänge in Krebszellen sich innerhalb weniger Minuten nach der Entnahme aus dem Körper so verändern, dass die relevanten Angriffspunkte für neue Wirkstoffe nicht mehr zuverlässig bestimmbar sind. Nach einer umfassenden Analytik stellt der Onkologe gezielt jene Medikamente zusammen, die auf die individuellen Eigenschaften des Tumors abgestimmt sind. Sollte zu einem späteren Zeitpunkt die Entnahme von weiterem Gewebe notwendig werden ( z.B. wenn es Hinweise gibt, dass der Tumor sein Verhalten geändert hat oder ein zweiter Tumor entstanden ist), können diese Proben mit der Tumorbiologie der eingelagerten Probe verglichen werden und erlauben weitere Rückschlüsse für die Behandlung. Das Verfahren kann auch dazu führen, dass ein Wirkstoff komplett weggelassen werden muss, da der Angriffspunkt nicht nachgewiesen werden konnte. Dadurch bleiben dem Patienten Nebenwirkungen erspart.
Einziger Haken des Verfahrens sind die Kosten in Höhe von 5.000 Euro: Gewebegewinnung (Eingriff oder Biopsie), Einfrieren, Analytik, Identifikation therapeutischer Angriffspunkte, Nachweis von Tumor-DNA im Blut – das ist aufwendig und kostspielig und wird derzeit (noch) nicht von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen erstattet – Professor Juhl arbeitet jedoch daran, dass sich das bald ändern wird.

Hintergrund:
Für die personalisierte Medizin sind heute bereits 40 Krebs-Medikamente auf dem Markt die Krebs gezielt angreifen, weltweit etwa 800 im Test in einer klinischen Erprobung. Die Kosten für nicht erfolgreiche Behandlungen oder Behandlungen ohne Heilung belaufen sich laut Professor Juhl, derzeit auf 11,7 Milliarden Dollar, d. h. es herrscht insgesamt im Sinn der Kostenreduzierung ein gewisser Kosten- Druck zur Umsetzung der personalisierten Medizin.
(IndivuTest auf der MEDICA, Halle 16, Wirtschaftsförderung und Technologietransfer, Schleswig-Holstein, WTSH).

www. indivutest.com