Experten: Überdiagnostik beim Brustkrebs-Screening

Mammografie(mko) Erneut kommen Zweifel auf: Experten sprechen beim Brustkrebsscreening sogar von Überdiagnostik. Je mehr Frauen an einem Brustkrebs-Screening teilnehmen, desto mehr kleine Tumoren werden entdeckt. Doch noch immer sterben nicht weniger US-amerikanische Frauen an ihrem Krebsleiden als vor zehn Jahren.

Wie generell bei Screening-Untersuchungen, so die Studien-Autorin Dr. Christine Starostzik, sei der Nutzen gegenüber den Risiken wahrscheinlich dann am größten, wenn diejenigen mit hohem Risiko in vernünftigen Intervallen untersucht würden und statt einer sofortigen Therapie manchmal auch eine wachsame Beobachtungsphase gewagt würde.

Quelle:  Harding C et al. Breast Cancer Screening, Incidence, and Mortality Across US Counties. JAMA Intern Med, online 6. Juli; doi: 10.1001/jamainternmed.2015.3043

Ziel des Brustkrebs-Screenings ist es, die krankheitsspezifische Sterberate zu senken, indem Tumoren früh erkannt und behandelt werden. Doch trotz positiver Studienergebnisse zum Nutzen der Mammografie kommen immer mehr Bedenken auf, dass sich das Gleichgewicht zwischen Nutzen und Risiken verschoben hat, nicht zuletzt aufgrund verbesserter Therapien.

Hintergrund:
Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren (10,5 Mio.) werden entsprechend der Einwohnermeldedaten von einer zentralen Stelle der jeweiligen Bundesländer im Zyklus von zwei Jahren schriftlich in eine Screening-Einheit eingeladen. Jetzt hat sich jedoch herausgestellt, dass die Gefahr, an Brustkrebs zu sterben, durch die Mammografie nicht kleiner wird. Das belegen inzwischen auch Auswertungen statistischer Daten aus England (Oxford University), die zur Brustkrebs-Früherkennung im Zusammenhang mit dem Todesrisiko, über einen Zeitraum von 39 Jahren, vorgenommen wurden (Quelle: Journal of the Royal Society of Medicine,Vol.106/2013).
Bereits andere Studien haben gezeigt, dass das sogenannte Screening die Todesrate nicht senkt. Auch die Zahl fortgeschrittener Tumore ließ sich durch die Reihenuntersuchung nicht reduzieren.

Aber: Durch die Mammografie leiden viele Frauen, weil die Röntgenuntersuchung bei jeder 5. Frau mindestens einmal einen Krebsverdacht aufkommen lässt, der sich erst Monate später als unbegründet herausstellt. Um die Anfangs-Diagnose abzuklären sind dann aber weitere Röntgenuntersuchungen notwendig, wenn nicht sogar Biopsien (Gewebeproben).
2012 lieferte die Harvard Universität in Cambridge, Massachusetts/USA sogar Daten, dass bei 15 bis 25 Prozent aller Brustkrebs-Diagnosen durch Mammografie, Fehlalarm vorlag. Fehl-Diagnosen führen jedoch zu seelischem Leid und manche Brustkrebsherde können den Frauen gar nichts anhaben und sie hätten sie nie bemerkt. So werden sie jedoch mit nebenwirkungsreichen Krebsmitteln behandelt. Fazit: Nutzen und Risiko der Mammografie sind immer noch nicht ausgewogen. Angestrebt wird aber weiterhin eine hohe Qualitätssicherung, wenn Ärzte die Mammografie weiterhin anbieten, so die Experten.
Mit über 74.000 Erkrankungen im vergangenen Jahr gehört Brustkrebs zu den häufigsten Krebs-Erkrankungen bei Frauen in Deutschland. Wichtig ist jedoch: Das Risiko einer Brustkrebserkrankung steigt mit dem zunehmenden Lebensalter, d. h. es gibt einen Zusammenhang zwischen Lebensalter und Brustkrebsrisiko.