Experten: Schilddrüsen OP’s werden zu häufig gemacht

(mko) Fast jeder zweite Bundesbürger über 50 Jahre hat knotige Veränderungen in der Schilddrüse. Dennoch muss nicht jeder Knoten operiert werden. Pro Jahr werden hierzulande 100 000 Schilddrüsen OP’s durchgeführt. Der Experte und Mediziner Ralf Paschke von der Universitätskllinik Leipzig hält diese Zahl für zu hoch und für unnötig. „Nur ein Fünftel der entdeckten Schilddrüsenknoten muss überhaupt operiert werden.“
Der Arzt muss entscheiden, ob er Knoten lediglich beobachtet, eine medikamentöse Therapie oder auch eine Radio-Jod-Therapie verordnet oder ob eine Operation notwendig ist. „Eine konsequent interdisziplinäre Entscheidungsfindung im Sinne einer qualitätsgesicherten Diagnose und Therapie ist noch Zukunftsmusik, sagt auch Professor Jochen Klußmann von der Schön-Klinik in Hamburg.
„Das Ziel muss sein, unnötige Operationen, die Belastung der Patienten und Millionen Euro Folgekosten einzusparen.“

Ein Großteil der Erkrankungen werde bislang per Ultraschall und Hormonuntersuchung festgestellt. „Dabei gibt es mit der Feinnadelpunktion eine zuverlässigere Methode zur Unterscheidung von gut- und bösartigen Knoten“, erläutert Paschke. Das Organ vergrößere sich sehr langsam. „Oft klagen die Betroffenen erst nach 30 oder 40 Jahren über Beschwerden.“
Bei der Feinnadelpunktion werden mit einer Nadel aus dem Knoten Zellen entnommen. „So können wir bei drei Viertel der Fälle vor einer Operation bestimmen, ob ein Knoten gut- oder bösartig ist. Leider wird diese Methode viel zu selten angewandt.“ Das Ergebnis: viele unnötige Operationen. Ein Drittel der Deutschen habe eine vergrößerte Schilddrüse, bei Älteren sogar jeder Zweite. Auf jeden Fall sollte sich der Patient vor einer Operation informieren und zwar in qualifizierten Zentren, die Schilddrüsen-OP’s häufig machen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Zahl der erfolgreich durchgeführten Operationen bei einer niedrigen Komplikationsrate.