Entzündete Blutgefässe: neue, innovative Therapieansätze

(mko) Eine moderne B-Zell-Therapie mit Rituximab – einem gentechnisch hergestellten monoklonalen Antikörper ist jetzt auch in Europa – aufgrund positiver US-Studien- Ergbnisse – für die Behandlung von Patienten mit einer Blutgefäß-Entzündungen (Vaskulitis), in Kombination mit Glukokortikoiden (Kortison) bei einer ANCA-assoziierten GPA (ehemals Morbus Wegener oder Wegenersche Granulomatose) und MPA (Mikroskopische Polyangiitis) zugelassen.
Vieles spricht dafür, dass B-Zellen aktiv an chronischen Entzündungsprozessen beteiligt sind. Der Antikörper bindet an der Oberfläche der B-Zelle,was zu ihrem Absterben führt. Damit haben Patienten mit dieser schweren Autoimmunerkrankungen, sowohl im Fall eines Rückfalls (Rezidiv) und auch bei Neuerkrankung eine neue Behandlungsoption.

Es beginnt häufig mit einer verstopfter Nase, Anfällen von Atemnot, Schmerzen im Brustkorb, Nachtschweiß, Schlafstörungen, Erkältungen und Halsschmerzen, geröteten Augen, Durchfällen, Hautunterblutungen, Gelenkschmerzen, juckenden Hautirritationen mit Blutungen, Herzrasen mit Ohnmachtsgefühl. Dazu kommen depressive Verstimmungen. Oft werden diese Beschwerden von Ärzten (HNO, Augen- Haut und Neurologen oder Nierenspezialisten) und auch Pflegepersonal als hysterisch abgetan und ie Betroffenen durchlaufen bis zur Diagnose oft einen Leidensweg. Patienten, bei denen dann eine Granulomatose mit Polyangiitis – kurz GPA – diagnostiziert wird, leiden an einer schweren, oft lebensbedrohlichen, entzündlichen Erkrankung der Blutgefäße. Medizinisch unterscheidet man die primäre Vaskulitis (GPA) und die Mikroskopische Polyangiitis (MPA) beide gehören zum Formenkreis der rheumatischen Erkrankungen.
Die Granulomatose beschreibt die charakteristischen Veränderungen, die man häufig in den Atemwegen findet, knötchenartige Ansammlungen von Zellen. Polyangiitis bedeutet, dass viele Gefäße entzündet sind, dass Lungen und Nierenschäden auftreten.

Kann man diese Gefäße aufgrund ihrer Größe nur unter dem Mikroskop erkennen, spricht man dann von einer Mikroskopischen Polyangiitis. Diese Autoimmunerkrankung verläuft allerdings häufig unterschiedlich, ein einheitliches Behandlungs-Schema gibt es derzeit nicht. Den Amoklauf des Immunsystems gegen den eigenen Körper kann man sich bis heute nicht vollständig erklären. Bekannt ist, dass der Körper als Reaktion auf das überschießende Immunsystem Antikörper bildet, die sich jedoch gegen das körpereigene Gewebe richten und für eine chronische Entzündung sorgen, die mit einer Durchblutungsstörung und z.T. mit einer Zerstörung der Gefäße einhergeht. Experten gehen davon aus, dass eine spezielle Form von Auto-Antikörpern, die sogenannten ANCA, an der Entstehung der GPA und MPA beteiligt sein können. Medizinisch spricht man daher auch von ANCA-assoziierten Vaskulitiden.

Hintergrund:
Heute sind zahlreiche monoklonale Antikörper zur therapeutischen Behandlung von Krebs, Immunerkrankungen und Abstoßungsreaktionen zugelassen. Wegen ihrer Fähigkeit mit höchster Genauigkeit bestimmte Moleküle aufspüren zu können, spielen sie auch in der Diagnostik und Analytik sowie in der Forschung eine wichtige Rolle. Derzeit sind über 200 neue monoklonale Antikörper in Arbeit, 27 davon bereits in klinischer Phase III. In den nächsten Jahren verlieren einige Präparate ihren Patentschutz. Folgen werden dann erstmals 2014 sogenannte „Biosimilars“ – Nachahmerpräparate von Original-Antikörpern. Aber: Therapeutische Antikörper sind biopharmazeutischen Wirkstoffe, d.h. sie können nicht auf rein chemischen Weg hergestellt werden, sondern benötigen zur Herstellung lebende Organismen. Die Herstellung ist ein ein komplexer Produktionsprozess, daher ist eine identische Kopie des Original-Antikörpers unmöglich. Daher hat die Europäische Arzneimittelagentur/EMA in London für die Zulassung biosimilarer Antikörper spezielle Richtlinien erlassen.

(Siehe MKO/Archiv: Rituximab – neuer Wirkstoff bei schwerem Rheuma/2006)

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