Diagnose Krebs: Mehr und besserer Dialog gefordert

(mko) Kinder bemerken, wenn etwas nicht stimmt! Bis zu 200 000 Kinder und Jugendliche sind jedes Jahr neu von der Krebserkrankung eines Elternteils betroffen. In jeder 3. Familie, in der ein Elternteil an Krebs erkrankt, leben minderjährige Kinder. Studien haben ergeben, dass 13 Prozent der Eltern nach der Diagnose Krebs nicht mit ihren Kindern über die Erkrankung sprechen. Bei den unter sechsjährigen sind es sogar 5o Prozent (Uniklinik Köln, Brustkrebszentrum).

Eltern mögen viele Gründe haben, mit ihren Kindern nicht über ihre Krebserkrankung zu sprechen. Sie wollen das Kind schützen, mit ihm nicht über den möglichen Tod sprechen und keine Ängste schüren. Aber: Kinder sind Mitbetroffene bei einer Erkrankung. Wird die Diagnose verschwiegen, fallen sie oft durch Sprachschwierigkeiten beim Schultest auf oder durch übertriebene Verlustängste. Denn: Kinder bemerken, dass etwas nicht stimmt.

Die Einbeziehung des Kindes in die Diagnose unterstreicht den Glauben an seine Fähigkeit die Situation zu bewältigen, sein Selbstbewußtsein wird gestärkt. So Dr. Linda Schneider, Ärztin und Gründerin des Vereins: “Hilfe für Kinder krebskranker Eltern e.V.“ in Frankfurt.
Der Verein (Tel: 069 – 67 72 45 04) hat das Ziel, krebskranke Eltern in der Kommunikation mit ihren Kindern zu unterstützen. Er bietet kostenlose psychologische Betreuung und eine Website für Eltern –
Verein
und deren Kinder an, damit sie die schwierige Situation gemeinsam meistern können.

Das Unternehmen Novartis zeichnet Projektideen aus, die das Motto „Mehr Dialog bei Krebs“ vorbildlich in der Praxis umsetzen und den Dialog zwischen Arzt und Patient nachhaltig verbessern. Der Award 2009 wurde mit Unterstützung der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. (DKG) ausgeschrieben und nun zum zweiten Mal verliehen. Den 1. Preis erhielt der Verein
Hilfe für Kinder krebskranker Eltern in Frankfurt.

Die offene und vertrauensvolle Kommunikation zwischen Arzt und Patient spielt bei Krebser-
krankungen eine besondere Rolle. Mit dem Best Practice Award „Mehr Dialog bei Krebs“ fördert Novartis Oncology beispielhafte Projekte, die durch mehr Dialog neue Perspektiven aufzeigen und damit zum Therapieerfolg beitragen. Bewertet wurden beispielsweise der Nutzen für die Patienten, der Innovationscharakter und die Übertragbarkeit der Projekte. „In der modernen Krebstherapie ist es von großer Bedeutung, auf den Patienten und seine individuellen Bedürfnisse einzugehen. Deshalb unterstützen wir auch in diesem Jahr den Best Practice Award, der ideenreiche Projekte mit Modellcharakter auszeichnet“, so Professor Werner Hohenberger, Präsident der deutschen Krebsgesellschaft e.V.

Der 2. Platz honoriert das Lehrprojekt mit insgesamt 3 Kurseinheiten: „Wahrheit am Krankenbett“ von Dr. Jan Schildmann von der Ruhr-Universität Bochum und Helios Klinikum Berlin Buch. Der interdisziplinäre Kurs richtet sich an Medizinstudenten und Krankenpflegeschüler, die im Umgang mit Krebspatienten Kommunikationskompetenzen erwerben und verbessern können. Dabei üben sie schwierige Gespräche mit Schauspielern, die verschiedene Patientenprofile einstudiert haben. Im Anschluss erfolgt ein umfangreiches Feedback mit erfahrenen Ärzten und examinierten Krankenpflegern.Mehr

Mit dem 3. Platz wurde das Pilotprojekt „JaVita“-Krebspatienten-Begleitservice in Mönchengladbach
ausgezeichnet, mit den beiden Initiatoren Professor Hans Edgar Reis und Professor Stephan Langer. Ziel des Projektes ist die integrierte Versorgung von Krebspatienten. Die zwei ehemaligen Chefärzte, ein Chirurg und ein Onkologe, arbeiten gemeinsam mit den Patienten die individuellen Probleme heraus und bieten ihnen je nach Bedarf unterschiedliche Hilfen an – von einer ärztlichen Zweitmeinung bis hin zur Feststellung der psychischen Belastung mit einem Dystress-Thermometer.
JaVita