Chronische Leukämie: Dank effektiver Wirkstoffe überleben 86 Prozent der Patienten

(mko) Imatinib gehört zu den ersten Medikamenten in der Krebsbehandlung, die speziell entwickelt wurden, um bekannten Genmutationen in Krebszellen entgegen zu wirken. Der Wachstumshemmer (medizinisch Tyrosinkinaseinhibitor) Imatinib (als Glivec® auf dem Markt) hat in Studien eine hohe
Effektivität bei der Behandlung der Chronischen Myeloischen Leukämie belegt. Nach sieben Jahren Primärtherapie überleben 86 Prozent der betroffenen Krebs-Patienten.

Bei einer Leukämie, d. h. bei Blutkrebs kommt es zu einer krankhaften Vermehrung der weißen Blutkörperchen (Leukozyten). In Deutschland erkranken etwa 12.000 Menschen jährlich an Leukämie. Bei rund 1.500 Patienten lautet die Diagnose „Chronische Myeloische Leukämie/CML“, hier handelt es sich um eine chronisch verlaufende Form des Blutkrebses. Bei der Mehrzahl aller CML-Patienten ist die Ursache eine Chromosomenanomalie, Mediziner sprechen vom Philadelphia-Chromosom.
Die einzige erwiesene Heilungschance ist die Stammzelltransplantation. Allerdings ist es schwer einen geeigneten Spender zu finden. Die Immuntherapie mit Interferon Alfa war bis Ende der 90er Jahre Therapiestandard. Eine lang andauernde Genesung (Remission) kann mit dieser Behandlung jedoch nur in wenigsten Fällen erreicht werden.

Die chronisch Myeloische Leukämie ist lebensbedrohliche und führt unbehandelt innerhalb von fünf bis sechs Jahren zum Tod. Die CML tritt gehäuft bei Menschen mittleren Lebensalters auf. Selten sind Patienten unter 20 Jahre betroffen. Männer erkranken häufiger als Frauen. Die CML macht etwa 15 bis 20 Prozent aller Leukämien im Erwachsenenalter aus. Der Rest verteilt sich auf die akuten Formen der Leukämie (akute lymphatische und akute myeloische Leukämie) sowie die Chronische Myeloische Leukämie. Bei der CML handelt es sich um eine „schleichende“ Erkrankung mit langsamem, häufig symptomarmem Beginn. Im Verlauf der CML werden drei Phasen unterschieden: die chronische Phase, die akzelerierte oder beschleunigte Phase und die Blastenkrise (Blasten = unreife Blutzellen).
Die chronische, erste Phase der Erkrankung dauert unbehandelt in der Regel vier bis fünf Jahre und geht häufig einher mit geringen Beschwerden wie beispielsweise Müdigkeit, verminderter Leistungsfähigkeit oder Appetitlosigkeit. Bei etwa 75 Prozent der Fälle liegt eine Milzvergrößerung vor. Die anschließende akzelerierte Phase dauert etwa sechs bis neun Monate. Blutungen, eine Verschlechterung des subjektiven Befindens und ein Ansteigen der Leukozyten bei gleichzeitigem Absinken der Erythrozyten können auf diese Phase hinweisen. Eine Änderung der Therapie, z.B. in Form einer Dosiserhöhung bei Glivec Therapie, kann den Patienten wieder in die chronische Phase zurückführen. Die Blastenkrise, auch Blastenschub genannt, ist mit einer Dauer von etwa drei bis sechs Monaten die letzte und kürzeste Phase. Hier werden sehr viele unreife Blutzellen aus dem Knochenmark ins Blut ausgeschwemmt. Diese Phase ähnelt klinisch einer akuten Leukämie und ist therapeutisch schwer zu beeinflussen.

Die Patienten sind in dieser Phase besonders infektanfällig, vor allem für Virus- und Pilzinfektionen, da funktionsfähige Leukozyten fehlen. Diese atypischen Infektionen sind eine häufige Todesursache.
Glivic wird seit 2002 auch zur Behandlung von gastrotestinalen Tumoren eingesetzt.
Patienten die den Wirkstoff nicht vertragen oder unter der Behandlung Resistenzen aufbauen erhalten den Wirktstoff Nilotinib (Tasigna®). Ach hier zeigten sich sehr gute Behandlungs-Erfolge.

Was sind Wachstumshemmer:

Tyrosinkinase-Inhibitoren sind neuartige Medikamenten-Wirkstoffe, die bisher vor allem bei Tumorerkrankungen zum Einsatz kommen. Seit etwa den 1990er Jahren ist bekannt, dass dysregulierte Tyrosinkinasen häufig eine Schlüsselrolle bei der Entstehung von Tumorerkrankungen spielen. ( Man spricht auch von einer Familie der RezesptorTyrosinkinasen, die aus ca. 15 Familien besteht, wobei den Familien unterschiedliche Motive im extrazellulären Bereich der Rezeptoren zugeordnet sind.Tyrosinkinasen handeln wie zentrale Schalter, die andere Proteine aktivieren oder stilllegen können.) So wurde das Konzept entwickelt, diese Tyrosinkinasen spezifisch mit Inhibitoren zu hemmen, um die Tumorerkrankung damit zu behandeln. Das dies tatsächlich möglich ist zeigte sich überzeugend bei der chronischen myeloischen Leukämie (CML). Bei der CML ist die dauerhaft aktivierte und dysregulierte ABL-Tyrosinkinase Ursache der Erkrankung. Dieser Erfolg hat der Forschung an spezifischen Tyrosinkinase-Inhibitoren großen Auftrieb gegeben und mittlerweile befinden sich eine große Zahl von Tyrosinkinase-Inhibitoren in Testverfahren oder schon im klinischen Einsatz. Tyrosinkinase-Inhibitoren gelten als Medikamente der Zukunft, da sie wesentlich spezifischer wirken und meistens kein so starkes Nebenwirkungsspektrum wie herkömmliche Zytostatika haben.