Brustkrebspatientinnen fordern mehr Eigenverantwortung und Eigeninitiative

Foto: Prof. M. Kiechle, München

(mko) „Was kann ein Mensch selbst tun, um gesund zu bleiben, um seine Gesundheitsressourcen zu stärken oder im Fall einer Krankheitsbewältigung?“ Diese Fragen stellen sich immer mehr Patienten und damit gerät die Komplimentärmedizin verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit. Viele Patientinnen, besonders Frauen mit Brustkrebs, sprechen inzwischen offen über ihre individuellen Behandlungswünsche oder lehnen Therapieempfehlung von Ärzten ab.
Viele Brustzentren haben sich inzwischen darauf eingestellt und bieten Komplimentärmedizin an. 90 Prozent der Frauen, die unter der Diagnose Brustkrebs leiden, wenden sie bereits an, allerdings ohne mit ihrem behandelnden Onkologen darüber zu sprechen. So Professorin Marion Kiechle, Direktorin der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Klinikum rechts der Isar in München auf dem ersten Kongress für „Integrative Therapie des Mammakarzinoms“ in Berlin, der von dem Dachverband Anthroposophischer Medizin in Deutschland ausgerichtet wurde.

Während die Integrative Onkologie in den USA in allen renommierten Tumorzentren selbstverständlich zum Therapieangebot gehört, hat Deutschland hier noch erheblichen Nachholbedarf. „Gesundheitspolitik, Krankenkassen und auch die Forschungsförderung von Bund und Ländern interessieren sich noch zu wenig für integrative Ansätze. Unsere Arbeit finanziert sich nahezu ausschließlich aus Spenden- und Stiftungsgeldern. Das muss sich ändern!“, so Professor Gustav Dobos, Direktor der Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin an den Kliniken Essen-Mitte.
Was heißt nun integrieren? „Integrieren heißt Wiederherstellung eines Ganzen, und wir müssen uns fragen, ob nicht auch die Medizin einer neuen Ganzheit bedarf, so Dr. Marion Debus, Leitende Ärztin der Onkologischen Schwerpunktstation am Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe, Berlin.

Therapieerfolge mit der biologische Misteltherapie und die Anwendung von Mistelpräparaten (Iscador®,Lektinol ®) bei Krebs, Psycho-Onkologie oder Hyperthermie wurden daher ebenso diskutiert wie Aspekte zur Spiritualität und Achtsamkeit, Ernährung und Bewegung.
Gelassenheit, emotionale Stabilität und innere Sicherheit – das Prinzip der Selbstregulation, all das hilft, zu sich selbst zu finden, mit eigenen Mitteln aktiv zu werden. Denn die Diagnose Krebs kommt oft aus heiterem Himmel und stellt die Betroffenen nicht nur vor die Aufgabe einer seelischen Bewältigung, sondern bedeutet auch, eine Reihe belastender, aber notwendiger Behandlungen über sich ergehen lassen zu müssen und das oft für Jahre.

Wie bekommen Patientinnen heute eine Therapie, die sowohl dem neuesten Stand des Wissens entspricht als auch ihrer individuellen Situation gerecht wird. „Leitlinien sind keine Zwangsverpflichtungen, sondern Empfehlungen, nach denen sich Ärzte richten können, aber nicht müssen“, meinte Professor Kurt Possinger, Direktor der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hämatologie und Onkologie an der Charité Berlin. Auch Professor Tanja Fehm, Leitende Oberärztin der Gynäkoonkologie an der Frauenklinik am Universitätsklinikum Tübingen und Mitglied der Leitlinien-Kommission der Arbeitsgemeinschaft Onkologie in der Gynäkologie ist sich sicher, dass die Komplementärmedizin künftig in den Leitlinien berücksichtigt werden wird. Beide verwiesen darauf, dass auch die positive Wirkung des Arzt-Patienten-Verhältnisses auf Krankheitsverlauf und Therapie nicht zu unterschätzen seien. Denn: Patientinnen wollen in ihrer Individualität ernst genommen werden.
mamazone.de
Der Kongress wurde ausgerichtet von der Gesellschaft für Anthroposophische Ärzte in Deutschland (GAÄD) und dem Dachverband Anthroposophische Medizin in Deutschland (DAMiD), zu den Mitveranstaltern gehörte die Frauenselbsthilfegruppe mamazone – Frauen und Forschung gegen Brustkrebs e.V. sowie die Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr. Als Schirmherren und Programmpartner haben sich unter anderem die Deutsche Krebshilfe, die Bundesärztekammer, die Deutsche Gesellschaft für Senologie und die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie beteiligt.

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